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100 Jahre CVJM Bäckerkreis in Reutlingen

Links: Berthold Streib, rechts: Prälat Dr. Rose

Am dritten Advent war das Matthäus-Alber-Haus in Reutlingen fest in der Hand der Bäcker und Konditoren. Innungsmeister, Chefs von Klein- und Großbäckereien aus nah und fern tafelten zusammen. Wichtig war ihnen allen, nicht nur der Geselligkeit zu dienen, sondern auch für die Bäckerfamilien etwas vom christlichen Glauben und ihrer Gemeinschaft zu erfahren.
Berthold Streib, der langjährige Leiter des CVJM Bäckerkreises begrüßte mit seinem ihm eigenen Engagement für die Wichtigkeit christlichen Handelns im Geschäft, die große Zahl der Gäste aus der Region Reutlingen/Stuttgart.
Was war das Grundmotiv im CVJM Reutlingen 1911 eine „Bäckerabteilung“ zu gründen?
Die Bäcker mussten nach wie vor früh aufstehen und ebenso früh zu Bette gehen. An einer Teilnahme zu irgendwelchen Vereinsaktivitäten, die meist abends nach Feierabend stattfanden, war nicht zu denken. Der damalige Vikar Daur von der Marienkirchengemeinde, zugleich zuständig für die Leitung des CVJM Reutlingen erkannte dieses Problem und begann, eine eigene Gruppe der Bäckerhandwerker zu gründen. Der Nachmittag war die einzige Möglichkeit, sich regelmäßig zu treffen. Die Arbeit mit der Bibel war ihnen wichtig, jedoch auch der Erfahrungsaustausch untereinander. Manche Lehrlinge, die damals noch nicht das Recht hatten, einen höheren Bildungsabschluss zu bekommen, lernten in ihrem Bäckerkreis Schönschrift, Rechnungswesen und handwerkliches Geschick.
Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Arbeitszeiten sind immer noch sehr früh aber die Bildung dieser Jungbäcker hat sich gewaltig verbessert. Ein heutiger Backbetrieb ist nicht mehr vergleichbar t der Gründerzeit vor hundert Jahren.
Was geblieben ist, so der Leiter der Reutlinger Bäckergruppe Berthold Streib, dass sich immer noch wöchentlich die Bäcker neben dem „Brot des Lebens“ sich um die Gemeinschaft der Christen in ihrem Handwerk kümmern.
In einer feierlichen Veranstaltung, umrahmt von den Bäckerposaunenchören und dem Männerchor fand ein reger Austausch unter den Bäckern und Gästen statt. Berthold Streib begrüßte insbesondere Prälat Rose und seine Gattin. Ein kurzes Interview mit dem Prälaten machte deutlich, das sein Beruf zwar manches mit dem Beruf des Bäckerhandwerks gemeinsam habe, jedoch das „Brot des Lebens“ hinzuweisen im übertragenen Sinn seine Aufgabe in der Prälatur sei. Sportlich sei er nicht so erfolgreich gewesen wie sein Sohn, aber als gebürtiger Göppinger hätte er natürlich auch das Handballspielen gelernt und später im CVJM Eichenkreuz noch mitgespielt.
In seiner Ansprache im voll besetzten großen Saal legte er den Schwerpunkt auf die geistlichen Werte im Leben eines jeden Menschen.
Wahrscheinlich würde dem CVJM Reutlingen mit seiner ältesten Gruppe wesentliches fehlen, wenn nicht diese kleine Gruppe so treu zu ihrer Sache stünde. Auch für die Kinder gab es während des Festvortrages ein extra Programm mit allerlei Basteleien und Süßigkeiten. Ein Männerchor der Bäcker rundete den gelungenen Jubiläumsnachmittag ab.

Ulrich Seeger